> Langeweile

„Fülle ist nicht an Etwas-Tun gebunden“


Langeweile bedeutet: etwas weilt lange – die Zeit scheint langsamer zu vergehen.

Viele Menschen beschweren sich, zu wenig Zeit zu haben – da sollte Langeweile doch ein Genuss sein! Hier sieht man schon unsere ganze Unklarheit über Langeweile...

 

Wir fliehen gerne vor der Langeweile, denn sie bringt immer eine Leere mit sich – man muss doch irgendetwas machen, was soll man denn mit der ganzen Zeit anfangen... Wir lieben es uns die ganze Zeit zu beschäftigen oder uns unterhalten zu lassen – am liebsten haben wir den ganzen Tag Action.

Sie nicht? - Sicher?

Probieren Sie es mal aus: 20 Minuten am Tag alleine, nur für sich, ohne etwas zu tun. Und fühlen Sie einfach nur Ihre Langeweile... Denken Sie nicht nach, was Sie als nächstes tun könnten oder wie Sie diese Zeit schnell vorbeibringen könnten. Fühlen Sie wie langsam die Zeit vergeht...

 

Wir alle suchen unsere Fülle in Beschäftigung, im Machen, im Außen. Aber wie immer gehören beide Seiten zu einer Erfahrung – also auch die Langeweile, das Nichts-Tun, das Innen.

Viele Menschen versuchen der inneren Leere zu entkommen, indem sie ihr ganzes Leben zum Beispiel vor der Langeweile fliehen. Diese Leere ist jedoch Ihre und weder mit der Langeweile noch irgendetwas anderem verknüpft. Die meisten Menschen realisieren dieses Gefühl erst, wenn sich die Leere selbst in Beschäftigungen, die sie lange erfüllt haben, ausbreitet. Ihr Sein zeigt Ihnen damit, dass es egal ist, ob und was Sie machen, solange Sie sich selbst fühlen.

Mit der Langeweile bieten Sie sich also eine Möglichkeit, dieses Gefühl zu entdecken. Denn das geht einfacher alleine, als in der Gesellschaft. Denn im Massenbewusstsein verliert man sich schnell in Abhängigkeiten, Erwartungen und Ablenkung (Fragen Sie mich, ich bin Meisterin im Vor-mir-selbst-Fliehen).

 

Sobald ich wählte, viel Zeit alleine zu verbringen, fing ich automatisch auch an mit Langeweile zu arbeiten.

Zuerst versuchte ich die Zeit mit Gedanken totzuschlagen – etwas, was ich immer noch gerne mache. Dann versuchte ich es mit tausenden, unterschiedlichen Beschäftigungen: mal hier aufräumen, da kurz was kochen, ein bisschen Klavier spielen, vielleicht doch lieber ein Mittagsschlaf oder eine neue Serie schauen... - alles um dieser Langeweile zu entfliehen. Die Langeweile ist jedoch nicht da um sofort wieder zu verschwinden. Deshalb schien sich die Zeit nicht zu füllen, sondern sich noch mehr auszudehnen.

Das ging so weiter bis ich der Langeweile überhaupt eine Chance gab, sich von selbst zu füllen. Denn in meinen alten Mustern und Erwartungen lief ein Tag nur gut, wenn ich immer etwas zu tun hatte. Sobald ich diese Erwartung mal kurz zur Seite stellte, merkte ich, dass Fülle nicht an Etwas-Tun gebunden ist.

Dieses Gefühl werden Sie nicht sofort zulassen können, und noch mit einigen Aspekten verhandeln, jedoch werden Sie merken, dass sich dieses Gefühl des Seins, des Nichts- Brauchens, des Nichts-Tuns immer mehr ausbreiten wird.

 

Langeweile heißt also Zeit mit sich selbst verbringen zu können, sich selbst zu füllen. Die eigene Fülle vom Außen zu trennen und zu merken, dass das eigene Sein reicht. In dieser Erfahrung werden Sie merken, dass Sachen und Taten Sie weder mehr noch weniger füllen können, weil Sie in Ihrem Sein schon immer voll sind.