> Mitleid

"Geteiltes Leid ist doppeltes Leid!"


Mitleid werten wir im Massenbewusstsein als eine wertvolle Eigenschaft von Menschen. Man sollte Mitleid für Kranke, Benachteiligte, Arme... empfinden. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum? - Indem wir Mitleid erzeugen, wollen wir einem anderen Menschen seine Situation, sein Leben erleichtern. Sie können aber niemals das Leben des Anderen wirklich beeinflussen; Sie können mit Ihrer Energie dort nur einen Schein erzeugen. Ob das nun die Illusion ist Energie zu nehmen (Manipulation) oder zu geben (Mitleid), spielt dabei keine Rolle. Denn am Ende lebt jeder Mensch sein Leben und sein Sein - Und dort ist nur Platz für die eigene Energie.

 

Mitleid hat also nichts mit Respekt für die Gestaltung jedes Menschen zu tun. Solange Sie denken, dass eine Gestaltung mehr wert ist als eine andere, gibt es immer jemanden, den Sie bemeitleiden können. Dabei beschränkt man dessen Gestaltung automatisch auf eine Seite - Schwere und Drama - und investiert durch sein Mitleid Energie genau darein.

Bemitleiden Sie zum Beispiel jemanden, der eine schwere Krankheit hat, dann denken Sie, Sie würden Ihm dadurch das Leiden erleichtern - mein Lieblingsspruch ist da immer: "Geteiltes Leid ist doppeltes Leid" - Dadurch, dass Sie so viel Energie in die Schwere und das Drama investieren, machen Sie es dem Anderen nicht leichter, die Vollkommenheit seiner Gestaltung zu erfahren. Und erst wenn er diese Vollkommenheit gespürt hat, kann er bewusst mit seiner Krankheit arbeiten und sie loslassen.


Bemitleidet man jemanden, fühlt man sich, obwohl man Energie investiert, erfüllt, denn man bekommt Energie dafür, dass man so ein guter, empathischer Mensch ist. Kein Wunder, dass Mitleid für manche Menschen zum Lebenssinn geworden ist. In diesen ganzen Energiespielchen um das Mitleid, ist es jedoch nicht möglich, sich selbst wirklich zu fühlen und man verliert sich - Ein sehr instabiler Lebenssinn also (wie alles, was wir im außen suchen).

 

Genau das gleiche Spielchen machen wir, wenn wir und selbst bemitleiden. Jeder von uns macht das gerne: Oh, ich hab' so wenig Geld/ Oh, ich arbeit' doch so viel und keiner lobt mich/ Warum hat der's so einfach im Leben und ich so schwer?... Und das Einzige, was man dadurch macht, ist, diese Sache nicht zu verändern, sondern sie erst recht in das eigene Leben zu lassen. Man wälzt sich mit Vergnügen im eigenen Drama, das einem das Leben doch sooo schwer macht.

 

Mitleid und Selbstmitleid sind unklar, denn es macht Ihnen das Leben nicht wirklich leichter. Sie schieben nur die eigene Bewegung in weite Ferne, indem Sie in das Drama und die Schwere investieren.

Wenn Sie sich oder eine andere Person also mal wieder beim Sich-Selbst-Bemitleiden erwischen, lade ich Sie zu einem schönen, ironischen "Oooh, du Arme/r!" ein. Und sollten Sie für jemand Mitleid empfinden wollen, dann atmen Sie tief ein und fühlen Sie, dass dieser Mensch perfekt für sich gestaltet - ja, zum Beispiel jeder Obdachlose, dem Sie begegnen.