Gewohnheit/Trott

"Die erdrückende Ritterrüstung"

Gewohnheit, Sonntagnachmittag, Albert Anker

Wir Menschen sind wahre Meister darin, uns an etwas zu gewöhnen - sich anzupassen oder, wie ich es gerne liebevoll ausdrücke, in einem Trott zu leben. Dieser Trott war in vielen unseren Leben ein wichtiges Werkzeug. Er ermöglichte uns Erfahrungen, in denen wir einzelne Aspekte genauer kennenlernen wollten. Dabei legen wir einen Schleier der Unklarheit über das eigene Sein und begrenzen uns auf einzelne Aspekte.

Wenn Sie von außen einen klaren Blick auf sich werfen würden, würden Sie sagen: "Oh, wie kann ich nur so was machen. Das ist doch echt anstrengend und unklar." Durch diese Begrenzung der Gewohnheit können Sie erst Ihre perfekte Herausforderung gestalten.

Unsere Gewohnheit ermöglicht es uns zum Beispiel, mehrere Leben lang Krieg zu führen und das als normal wahrzunehmen; sich an Leben als Obdachloser zu gewöhnen; die Täterrolle zu übernehmen, ohne daran zu schnell zu zerbrechen…

Wenn die meisten Menschen in diesem Augenblick alle Ihre Aspekte, vor allem auch die dunklen, wahrnehmen würden, würden sie verrückt werden oder sich schnell umbringen.

 

Wenn Sie auf dieser Seite gelandet sind, möchten Sie in Klarheit und Bewusstsein wahrnehmen. Sie wollen Ihr ganzes Sein entdecken und dazu müssen Sie diese schwere, einengende Ritterrüstung namens Gewohnheit ablegen. Ja, sie hat ihren Zweck erfüllt, sie hat Sie vor großem Schmerz beschützt. So haben Sie schwere und dunkle Erfahrungen als normal wahrgenommen und konnten weitermachen. Gleichzeitig haben Sie dadurch Ihre Wahrnehmung eingegrenzt und nicht die Verantwortung für Ihr gesamtes Leben übernommen. Es wirkt bequem und sicher unter dieser Rüstung, und wenn etwas Schweres geschieht, schiebt man es einfach schnell auf alle anderen.

 

Die meisten Menschen gestalten sich zum Beispiel in der Arbeit und in der Familie einen Trott. Man arbeitet, um am Ende des Monats das Gehalt zu bekommen; Um 12 macht man Mittagspause, und Feierabend hat man dann am liebsten pünktlich; Man erledigt noch schnell dies und jenes, um auch die letzte Minute des Tages zu füllen; Man fährt in den Urlaub um wieder Energie für zu Hause zu haben (Sie sehen: Sogar der Urlaub gehört zu Ihrem Trott) … - Sie drücken sich dabei nicht selbst aus, sondern versuchen Ihren Lebenssinn in diesen Taten zu finden und sich damit zu füllen.

Sie können sich jedoch nur mit sich selbst füllen.

Große Chancen dafür bestehen, wenn Ihre Kinder ausziehen oder wenn Sie in Rente gehen. Neben vielen vielen weiteren Möglichkeiten, die immer wieder auftauchen, die Sie aber meistens trott-zig ignorieren.

Die große Versuchung ist hier, sich gleich in den nächsten Trott zu begeben. Oft höre ich zum Beispiel: „Hat ja auch seine Vorteile, wenn die Kinder aus dem Haus sind - Jetzt kann ich öfter in den Urlaub fahren, kann mehr Zeit mit meinem Partner verbringen, tausend neue Hobbies beginnen...“ Statt innezuhalten und die entstandene Leere mit sich selbst zu füllen, suchen wir uns schnell etwas Neues im außen, um Energie zu bekommen.

 

Dieser Trott hat also auch seine „Nachteile“. Je länger Sie darin leben, desto größer werden auch die Energiespielchen, denn Sie werden immer den Eindruck haben, mehr zu brauchen. Diese Energiespielchen ziehen früher oder später immer mehr Schwere an. Erst durch diese Schwere können dann vielen Menschen eine lange aufgebaute Gewohnheit zu verlassen. Krankheiten, zum Beispiel Krebs, Verletzung, einen Zusammenbruch, Depression… bewegen Sie dann – große Steine, die wir uns gerne als Erinnerung an unser Sein in den Weg legen.

 

Um das Ganze schneller zuzulassen, fühlen Sie bei sich selbst:

Über was legen Sie gerne einen Schleier der Unklarheit, was reden Sie sich schön, was schieben Sie weg… Fühlen Sie… Atmen.

Die Familienfeiern, die nun mal dazugehören… Der Partner, von dem Sie nur noch genervt sind… Die Arbeit, die ihren Reiz verloren hat… Unzufriedenheit, die Sie an anderen auslassen…  Fühlen Sie, seien Sie ehrlich zu sich.

Ihr Sein weiß sowieso alles – Sie können also aufhören etwas zu verstecken.

Fühlen Sie Spannung, einen Knoten im Bauch, Unruhe? Dann ist da noch etwas, was Sie unbedingt verstecken wollen. Also tief einatmen und fühlen.

 

Wollen Sie eine Gewohnheit bewusst verlassen, ist das ziemlich einfach. Haben Sie sie gefühlt, bewusst wahrgenommen? Damit haben Sie schon die ganze Arbeit erledigt. Jedes Mal wenn dieser Aspekt jetzt also auftaucht, werden Sie sagen: „Aah, kommt mir bekannt vor. Das will ich nicht mehr machen.“ Nehmen Sie einen Atemzug und fühlen Sie, wie Sie reagieren wollen, wie Sie sich verhalten wollen. Sie werden merken, wie die Gewohnheit an Bedeutung verliert und ganz von alleine aus Ihrem Leben verschwindet.

Ihre Arbeit ist, klar wahrzunehmen, was Sie machen und was Sie verändern wollen - Die Veränderung an sich geschieht dann von alleine.