Getrieben

"Es ist egal, ob Sie einen Krümel oder alles Brot der Welt haben wollen -

Sie sind getrieben."


Die treibende Kraft

 

Alle Menschen dieser Erde haben eine treibende Kraft in sich. Diese treibende Kraft ist, frei nach meiner eigenen Definition, der Teil in mir, der mich gerade diese Zeilen schreiben lässt. Es ist der Aspekt in mir, der mich auf der Erde aufstehen lässt, mir das Zähneputzen aufzwingt und mich in die nächsten Sachen schiebt.
Was mach‘ ich jetzt als Nächstes? Musik, Wein trinken, oder einen caffè, arbeiten, fernsehen, schreiben, nähen, Sport, spazieren und ewig so weiter. Und am nächsten Tag geht dann das Ganze von vorne los, vielleicht in einer anderen Reihenfolge. Das suggeriert dann Abwechslung, vor allem wenn Beschäftigungen ins Spiel kommen, die jährlich nur ab und zu realisierbar sind, wie Urlaub oder Weihnachten.
Aber egal ob täglich, jährlich oder lebenszyklisch, man erzeugt die Illusion, es gäbe immer etwas zu tun, es gäbe immer etwas Neues zu erfahren. Dieser unendliche Kreis von Tun und Tun, in dem am Ende des Kreises ein neues Tun wartet, macht einen irgendwann verrückt.


Atmen Sie ein und fühlen Sie mal hinein: Seit hunderttausenden von Jahren auf der Erde gibt es für Sie nichts anderes als machen, machen, machen.


Die getriebenen Menschen

 

Dieses Streben in uns entstand, als wir auf die Erde kamen. Durch die Begrenzung und das Gefühl verloren zu sein, verspürte jeder von uns eine innere Leere. Das Sein und die Einfachheit, es in seiner Vollkommenheit wahrzunehmen, schienen weit entfernt. Aus diesem Gefühl heraus fingen wir an, nach dem Mehr zu suchen: Irgendetwas muss mich doch füllen, muss mich doch zurück zum Sein, zu der inneren Ruhe bringen. Vielleicht ein Mann, eine Frau, Geld, Macht, Anerkennung, Freude, Wissen.
Mit der Zeit wurden wir getrieben von dieser Jagd nach mehr. Es gibt immer etwas zu erreichen, zu erledigen, zu erfahren.
Überall suchen wir nach dem Mehr: Im Beruf, in Beziehungen, im Tun, im Sinn, in der Bewusstseinsarbeit, und vielem mehr. In dieser Illusion und den Energiespielchen, die daraus entstanden, haben wir uns verloren. Es reicht uns nicht mehr, das wahrzunehmen, was gerade da ist, was wir gerade erfahren. Nein, man muss im Leben weiterkommen, ein Ziel haben. Man muss etwas Bedeutungsvolles schaffen. Man braucht eine Familie, Kinder, eine Beziehung, Sex. Man muss ein guter Mensch sein. Man braucht Geld und Macht, um mehr wert zu sein. Führen Sie Ihre Liste weiter.

 

Wir haben uns daran gewöhnt, getrieben zu sein. Wir sehen es bei anderen, wir schimpfen, wie getrieben zum Beispiel Bänker, Geschäftsleute oder Pädophile sind. Ein Thema, das die meisten am liebsten sofort überspringen wollen. Aber atmen Sie ein und fühlen Sie. Es gibt diese vielen Pädophilen. Wieso sind sie Teil dieser Erde? Wieso sind sie Teil meiner Existenz? Schieben Sie nie etwas weg, was Teil der Erde ist, denn es ist automatisch Teil von Ihnen.

Pädophile zeigen uns, wie getrieben und betäubt wir Menschen mit Sex umgehen. Wir nehmen Sex nicht mehr wahr, es geht nur noch um Energiespiele. Für uns ist es normal, dass man Sex will und angeblich braucht, dass Pornos die beliebtesten Filme auf dieser Erde sind, dass junge Körper im Massenbewusstsein schöner gelten als alte - aber Kinder, das ist dann übertrieben?

Das gleiche gilt für Bänker oder Geschäftsleute: "Jeder will doch gerne ein bisschen mehr Geld, aber das, was die Bänker machen, ist ja übertrieben." Ja, ist es. Aber sie zeigen uns damit nur deutlich, wie wir uns verhalten. Solange wir uns noch über Geld und Verdienen definieren, wird es Menschen geben, die uns das spiegeln. Schauen Sie also respektvoll hin und sagen Sie danke für den Spiegel, denn diese Seele hat das deutlich anstrengendere Leben übernommen und wird viel mit sich kämpfen.

 

Ich weiß, es ist keine angenehme Arbeit, sich diese Sachen anzuschauen und zu sich nach Hause zu bringen. Ich selbst bin Meisterin darin, meine dunklen und anstrengenden Aspekte auf andere zu verteilen und keine Verantwortung für sie zu übernehmen.

Aber die Arbeit beginnt damit, wahrzunehmen, dass es egal ist, ob Sie einen Krümel oder alles Brot der Welt haben wollen - Sie sind getrieben.

 

Atmen.

 

Schauen Sie hin. Nehmen Sie unsere getriebene Erde und Ihre getriebenen Aspekte wahr, sehen Sie alles, wie es ist, bewerten Sie sich nicht. So verändern sich die Sachen von alleine.

Mit der Zeit verlieren Wollen, Machen und Brauchen von alleine an Bedeutung und Sie spüren die Leere, die hinter all dem Besonderen, dem Mehr und der Bestätigung steckt. Auch Herzschmerz wird auftauchen. Er entstand, weil wir nicht zugelassen haben, dass wir getrieben sind und übertrieben haben.

Wenn Sie nun diesen getriebenen Aspekt, den Sie so lange weit weg geschoben haben, nach Hause holen, kommt der Herzschmerz wieder hoch.

 

Atmen.

 

Fühlen Sie, dass Sie nichts brauchen, müssen oder wollen. Fühlen Sie, dass es mehr nicht gibt. Fühlen Sie, dass es gar nichts zu erreichen gibt. Sie sind.